Der Fall DropShipping, wie Online Marketing vor die Hunde geht

In dem heutigen Blogartikel wollen wir das Geschäftsmodell des DropShippings einmal kritisch betrachten und versuchen eine realistische Einschätzung des Potenzials, aber auch der möglichen Komplikationen, darzustellen.

Wir sind selber im DropShipping tätig, dabei ist uns aufgefallen, dass der ganze Ablauf nicht ganz so rosig ist wie von vielen Online Marketern dargestellt. Da in letzter Zeit durch diverse Größen im Online Marketing zumindest beim DropShipping diverse Fallstricke aufgedeckt wurden, fasst dieser Artikel grob zusammen, welche Gefahren im DropShipping solange verschwiegen wurden und überträgt dann dieses Phänomen auf die deutsche Online Marketing Landschaft. Also legen wir direkt mit den größten Gefahren und Fallstricken los.

Rechtliche Gefahren

Die größte rechtliche Gefahr geht beim DropShipping davon aus, dass Dein Kunde durch ein Produkt zu Schaden kommt. Nun stellt sich jedoch die Frage, wer dafür haftet: Zwar bist Du nicht der Hersteller des Produktes, die Rechtssprechung ist sich aber einig, dass wer Produkte in die EU importiert auch für die Sicherheit der Produkte die Verantwortung trägt. Dementsprechend kannst Du bei einem Personen- oder einem Sachschaden mit Deinem Privatvermögen zur Verantwortung gezogen werden, falls Du keine Unternehmensform mit beschränkter Haftung besitzt.

Steuerliche Probleme beim DropShipping

Für die Steuern gilt, dass Du immer in dem Land zahlen musst, in das du die Ware liefert. Im Umkehrschluss bedeutet das für Dich, dass Du für das entsprechende Land auch eine Steuernummer beantragen musst. Also aufgepasst, wenn du in verschiedene internationale Ländern Produkte verkaufen möchtest. Einzige Ausnahme stellt die Verschiffung von Waren aus China in die USA dar, vorausgesetzt Du hast Deinen Sitz in Deutschland bzw. in der EU.

DropShipping Retouren

Die Rücklieferung der Ware aus Deinem Shop stellt vielleicht kein gefährliches Problem dar, allerdings ein extrem nerviges. Beim DropShipping bist Du für eventuelle Rücksendungen verantwortlich, sprich eine zurückgeschickte Bestellung wird zu Dir gesendet. Dies kann ziemlich ungemütlich werden, wenn Du z. B. Dein Business von zu Hause aus betreibst. Es kann also schnell passieren, dass Du mehrere beschädigte Artikel unterbringen musst bzw. dann zusehen musst, wie Du sie verkaufen kannst. Somit geht schnell der Vorteil, dass kein Lager benötigt wird, flöten. Im Endeffekt bleibst Du nicht nur auf der Lagerung sitzen, sondern auch auf den Kosten, bei nicht passenden Produkten, da Du diese auch nicht mehr bei Deinem Händler auf reklamieren kannst. Aus diesem Grund solltest Du zu Beginn keine Kleidung über ein DropShipping-Modell vertreiben, da hier die Umtauschquoten bei ca. 40 % liegen. Zurückgesendete Artikel können unter Umständen auf eBay verkauft werden, damit kannst Du die Produktkosten vielleicht einholen, aber Zeit wird es Dich alle male kosten.
Alternativ kannst Du natürlich mit Deinen Händlern Vereinbarungen treffen, dass mangelhafte Exemplare direkt zu diesem zurückgeschickt werden können, ohne bei Dir einen Zwischenstopp einzulegen.

Ist DropShipping jetzt ein schlechtes Geschäftsmodell?

Das größte Problem beim DropShipping ist nicht, dass es mehr Gefahren beinhaltet, als andere Modelle und Systeme. Die Problematik entsteht erst durch die naive Außendarstellung durch Personen, denen es einzig und allein um den Verkauf ihrer Produkte geht. Vor allem der Punkt mit der Haftung wird sehr oft unter den Teppich gekehrt. Aus diesem Grund solltest Du Dich nicht vom DropShipping abhalten lassen, aber Dir die Problematiken bewusst machen und entsprechende Gegenmaßnahmen einleiten. Im Falle der Haftung kann das eine haftungsbeschränkte Gesellschaftsform sein, risikoärmere Produkte oder ein entsprechender Vermerk in den AGB.
Das Phänomen Risikoverschleierung trifft natürlich auch auf die meisten anderen Dienstleistungen zu, die im Internet auf Facebook & Co angepriesen werden. Daher folgt nun eine kleine Abrechnung mit den heutigen Verkaufspraktiken des Online Marketings.

Wer kennt es nicht? Man recherchiert etwas über das Thema Online Marketing und zack ist Dein gesamter Facebook Newsfeed voll Facebooks-Ads, in denen Dir vermeintliche Millionen-Business-Besitzer erzählen wollen, wie Du mit ihrer geheimen Infoproduktformel in weniger als einer Woche reich wirst. Dieses Phänomen ist auch beim DropShipping zu beobachten, mit dem Unterschied, dass es hier die oben genannten Risiken gibt. Natürlich gibt es auch in anderen Bereichen Risiken, allerdings nicht mit einer vergleichsmäßig hohen Eintrittswahrscheinlichkeit eines existenziellen Risikos. Dementsprechend ist es erschreckend wie viele Blogger und Youtuber über das Thema berichten, ohne diese kritischen Punkte anzusprechen. Hier muss man natürlich sagen, dass mit dem Ausstiegsvideo von Kris Stelljes das ganze Thema präsenter wurde. Dennoch verrät Reaktion und das Verschweigen solcher Risiken viel über die Einstellungen, Kompetenzen und Absichten viele Online Marketer im deutschen Raum. Der einzige Grund warum dann auf einmal die Schattenseiten angesprochen wurden, war die Angst vor Einbrüchen der Verkäufer durch die negative Publicity.

Es geht hier offenkundig wirklich nur um das Geld. Einfache Formel: Möglichst viel Gewinn bei möglichst wenig Aufwand und somit Mehrwert für den Käufer. Dabei liegt in der digitalen Marketing Industrie ein enormes Potenzial, denn steigende Nutzungszahlen des Internets, steigende Verkaufsraten über mobile Geräte und allein die Möglichkeit Wissen, Dienstleistungen und Coachings überall auf der Welt zu vertreiben offenbaren einen noch nicht gesättigten Markt. Zumindest nicht gesättigt mit hochwertigen und mehrwertbietenden Produkten, allerdings gesättigt mit Trash Angeboten und verzweifelten Versuchen die finanzielle Unabhängigkeit zu erreichen.

Was wir in Deutschland und generell auf dem Online Marketing Markt brauchen sind Unternehmer, die zu 100 % hinter ihren Produkten stehen, weil sie wissen, dass sie ihren Kunden einen Mehrwert liefern und deshalb auch authentisch auftreten können und nicht ihr Landingpages mit offensichtlichen Marketingmaschen à la Cialdini vollklatschen müssen. Damit meine ich solch offensichtlichen Lügen, wie: “jetzt schnell zu schlagen, in 24 Stunden gibt es das Produkt nicht mehr” Ja genau das digitale Infoprodukt ist einfach ausverkauft. Die einzigen armen Schweine, die sich solch ein Produkt kaufen sind die, die sich zum ersten Mal mit dem Thema beschäftigen und nicht sofort merken, dass es Leute, die Dir das Blaue vom Himmel versprechen, wie Sand am Meer gibt. Im Idealfall erklärt der gekaufte Kurs dann, wie man solch einen Abzockkurs selber erstellt und dann vertreibt.

 

DropShipping Abzocke

Versteht mich nicht falsch, natürlich geht es darum ein Produkt zu verkaufen, aber es darf niemals zu einem Andrehen werden bzw. zu einem Erschaffen einer riesen Erwartung durch reines Lügen. Vielmehr geht es darum ehrliche Vorteile des Produktes in den Vordergrund zu stellen, das Produkt an die Personen bringen, die es wirklich brauchen und somit einen zufriedenen Kunden zu hinterlassen. Das ist Qualität!

Online Marketing braucht mehr Schweiß und ehrliche Arbeit, Leute die wirklich etwas in der Welt verändern und verbessern wollen. Leute, die einen Mehrwertschaffen wollen und dafür bereit sind hart zu arbeiten und niemanden, der versucht das schnelle Geld mit Kunden abzocken zu verdienen.
Mit diesen Worten verabschiede ich mich an dieser Stelle. Nächste Wochewidme ich mich einem anderen Themenbereich, nämlich dem der Leadership-Ansätze. Also nächstes Mal weniger Online Marketing, aber ein Thema, dass für jedes Unternehmen egal, ob digital oder nicht interessant ist.

Ich bin weder Rechtsanwalt noch Steuerfachmann. Jegliche Informationen in diesem Artikel sind nach bestem Wissen recherchiert und praktiziert, erheben aber keinen Anspruch auf absolute Richtigkeit.

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